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(Fragen zu Komrey)

From BluWiki

Inwiefern unterscheidet sich wissenschaftliches Wissen von Alltagswissen? Gibt es eventuell auch Gemeinsamkeiten? Argumentiert an Hand eines Beispiels.

Antwort von Michaela Weber:

Die Sozialwissenschaften haben es bei disem Thema im Gegensatz zu den Naturwissenschaften besonders schwer. Die Sozialwissenschaften treten bei ihren Forschungen nie auf Neuland, sondern sie treten eigentlich immer in Konkurrenz mit bereits vorhandenem Wissen. Dieses Alltagswissen wurde seit Beginn der Menschheit gesammelt und scheint daher keine Theor�e zu brauchen, weil es durch die Praxis bereits bew�hrt ist. Die Sozialwissenschaften forschen also mit bereits vorhandenem Wissen. Stimmt die Ergebnisse der Forschung mit dem Alltagswissen �berein, so ist die Zustimmung eher negativ, da ja scheinbar nichts Neues entdeckt wurde. Ist es aber umgekehrt, so ist man dem Ergebnis gegen�bersehr skeptisch,vielleicht sogar ablehnend.

Dennoch ist das Thema noch nicht ausgereizt. Daher meine Anschlussfragen (an alle): K�nnt ihr weitere Unterschiede zwischen wissenschaftlichem Wissen und Alltagswissen nennen? Und wisst ihr auch Gemeinsamkeiten?

Antwort von Barbara Piller:

weitere Gemeinsamkeit:

- Alltagswissen und wissenschaftliches Wissen basieren auf empirischer Wissenschaft (=Erfahrungswissenschaft) --> aus Erfahrungen mit Situationen, Dingen...etc. leitet man Bestimmtes ab.

Unterschiede:

Alltagswissen ist mehr auf konkretes Handeln gerichtet, auf die jeweilige besondere Situation, auf den Einzelfall; --> auf individuelle Ansammlung von handlungsrelevantem Wissen --> Alltagswissen ist daher nicht geeignet, generelle Tendenzen, abstraktere und allgemeinere Sachverhalten zu erkl�ren.

Wohingegen das wissenschaftliche Wissen st�rker selektiv und verallgemeinernd ist; es versucht das Gemeinsame herauszuarbeiten ? wissenschaftliches Wissen oder wissenschaftliche Theorien sind daher nicht einfach unmittelbar in allt�gliches Handeln umsetzbar.


Was unterscheidet den realistischen erkenntnistheoretischen Zugang vom konstruktivistischen? In welcher Grundannahme stimmen die beiden aber �berein?

Unterschiede:

- erkenntnistheoretischer Realismus: hier besteht die M�glichkeit der Erkenntnis der objektiven Realit�t. Nur dann sind sinnvolle Aussagen formulierbar und �berpr�fbar

- Konstruktivismus: hier besteht die M�glichkeit nicht; es werden zwar durch die Sinne gewisse Umweltreize wahrgenommen, jedoch formen sie kein Abbild der Umwelt sondern konstruieren durch eigene Interpretation (=subjektiv) ein Bild (= virtuelle Realit�t)

Eine Gemeinsamkeit: Annahme , dass die Welt tats�chlich existiert, also dass die Welt an sich f�r solche Ansichten eine Grundvoraussetzung ist? (= eigene Interpretation dazu)

Vor diesem Hintergrund k�nntet ihr vielleicht nochmal eine Pr�zisierung zum erkenntnistheoretischen Realismus vornehmen: Wor�ber sind in diesem Zugang sinnvolle Aussagen formulierbar und woran sind diese �berpr�fbar?

bei dem erkenntnistheoretischen realismus sind sinnvolle aussagen �ber die realit�t empirisch in der realit�t �berpr�fbar

und das mit den gemeinsamkeiten hat die barbara glaub ich ganz gut verstanden: steht auch im text drin, dass die existenz einer realen tats�chlichen welt (unabh�ngig von ihrer wahrnehmung durch einen beobachter) von niemandem angezweifelt wird. aber �ber die eigentschaften dieser tats�chlichen welt sowie der m�glichkeit der erkenntnis der objektiven realit�t scheiden sich die gem�ter.


Was kann der analytisch-nomologische Ansatz und was der interpretative Ansatz?


- analytisch (auf rein logischem Weg begr�ndend)- nomologischer Ansatz:

Die Welt ist geordnet, regelhaft und strukturiert. Die Aufgabe der Wissenschaft ist es die Strukturen und Gesetzesm��igkeiten zu entdecken. Dadurch werden Ereignisse erkl�rbar und prognostizierbar.

- interpretative Ansatz:

Menschen schaffen durch ihr Handeln die gesellschaftlichen Strukturen selbst (=Resultat von Interaktionen) --> es ist also sinnlos nach sozialen Gesetzen zu suchen

Eine Anschlussfrage zum interpretativen Ansatz: Wenn die Suche nach sozialen Gesetzen sinnlos ist, was macht dann eine interpretativ arbeitende Wissenschaft?

also im text steht als unterschied zwischen analystisch-nomoligscher und interpretativer wissenschaft:

nomologisch Prinzip der Standardisierung der Messsituation am Beginn stehen m�glichst pr�zise formulierte Hypothesen quantitative sozialforschung

interpretativ Prinzip der Offenheit Am Beginn steht vielmehr das Gewinnen m�glichst authentischer Erfahrungen im Untersuchung-"Feld" qualitative sozialforschung


so, jetzt wei� ich aber auch immer noch nicht so genau, was genau untersucht wird. k�nnte es sein, dass der gro�e unterschied ist, dass sich die nomologische sozialforschung mit der grundlagenforschung vergleichen l�sst und die interpretative an der anwendungsorientierten Forschung? z.b. die wirkung eines speziellen programms zur kompensation der benachteiligungen von kindern aus unterschichtfamilien im traditionellen Bildungssystem... obwohl ja selbst dort irgendwie gesetzm��igkeiten ....

Anmerkung vom Teaching-Assistant:

Anmerkung: Ich spreche im Folgenden von quantiativer und qualitativer Forschung. quantitativ = analytisch-nomologisch; qualitativ = interpretativ

Der Unterschied liegt weniger darin, welche Ph�nomene untersucht werden. Ein und dasselbe Ph�nomen kann sowohl mit qualitativen als auch mit quantitativen Methoden erforscht werden. Das hei�t, welche Fragen genau gestellt werden und wie diese untersucht werden, macht den Unterschied aus.

Daher bin ich - und sind auch die Lehrenden - mit der Charakterisierung von Grundlagenforschung und anwendungsorientierter Forschung als quantitativ bzw. qualitativ nicht gl�cklich.

Im Text wird zwar in diese Richtung argumentiert, das ist aber in der Praxis so nicht haltbar.

Um auf dein Beispiel zur�ckzukommen: Die "wirkung eines speziellen programms zur kompensation der benachteiligungen von kindern aus unterschichtfamilien im traditionellen Bildungssystem" kannst du einerseits quantitativ (=analytisch-nomologisch) untersuchen, indem du etwa die schulischen Leistungen der betreffenden Kinder misst, und zwar vor und nach Einsetzen des Programms. Dazu untersuchst du eine repr�sentative Stichprobe benachteiligter Kinder zumindest zwei mal. Zeigen sich beim Vergleich der Leistungen statistisch signifikante Unterschiede und kannst du andere Einfl�sse ausschlie�en, so hast du die Wirkung des Programms mit quantitativen Methoden festgestellt.

Du k�nntest aber genauso gut betroffene Kindern und deren Familien dahingehend untersuchen, was es f�r sie bedeutet, in dieses F�rderprogramm aufgenommen zu werden, welche Wirkungen das auf ihr Selbstbild hat, wie die Familie darauf reagiert hat, etc. Du w�rdest dabei m�glichst offen vorgehen, nur mit einer kleineren Gruppe von Kindern arbeiten, diese aber daf�r weit intensiver untersuchen (also z.B. nicht nur die schulischen Leistungen messen). In diesem Fall w�rdest du die Wirkungen des F�rderprogramms qualitativ (=interpretativ) untersuchen.

Ich hoffe, der Unterschied wurde klarer. Im Text von Lamnek (10. VO) wird der Unterschied qualitativ/quantiativ �brgens nochmal sehr genau und - wie ich finde - gut erkl�rt.


Prinzip der intersubjk. Nachpr�fbarkeit:

Sagt er, dass Forschungen nachvollziehbar, beurteilt, kritisiert werden m�ssen (Ja)

oder

dass das Forschungsrojekt NICHT so vollst�ndig dokumentiert werden darf, so dass es von anderen nachvollzogen werden kann. (Nein)


Soviel ich wei�, hei�t "intersubjektive Nachpr�fbarkeit", dass man den Forscher prinzipiell ersetzen kann und dass jeder mit den, von ihm(Forscher) verwendeten Methoden und Strategien auf das GLEICHE Ergebniss kommen soll. Es ist also, diesem Ziel folgend, unerl��lich, die Methoden den anderen verst�ndlich mitzuteilen. glaube ich.

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