1. Komrey - Empirische Sozialforschung
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1.1 Vorbemerkungen zur Situation empirischer Sozialwissenschaft
1.1.1 Funktion von Wissenschaft in der Gesellschaft
Fr�her gab es ja noch keine Wissenschaft, nur Handlungswissen (teils Geheimwissen), was auf Erfahrungen beruhte. Danach war Wissenschaft selbstverst�ndlich Naturwissenschaft (Lehre, Gelehrter).
Soziologie: Von Comte (1798-1857) "Mit dem Schwinden der Bedeutung verbindlicher Zielvorgaben, wie sie bis dahin Religion und Tradition bereitstellten, gingen auch zentrale Orientierungs- und Legitimationsgrundlagen f�r menschliches Handlen verloren." Die L�cke sollte dann nach Comte die Wissenschaft �bernehmen
Comte postulierte f�r die Entwicklung jeder historischen Gesellschaft wie auch f�r die gesamte Menschheitsgeschichte ein sog. Dreistadiengesetz
Damit Verbundene Aufgabenzuschreibung an die Wissenschaft =
- empirisch fundierte
- nicht-subjektivistische
- "positive"
= Erfahrungswissenschaft
Damit w�r auch die Ausweitung des Zust�ndigkeitsberiechs der Wissenschaft (z.B. Sozialwissenschaften) in den vergangen Jahrzehnten zu erkl�ren.
Man erhoffte sich:
- Hilfen zur Orientierung bei politischen Entscheidungen
- Basis zur Rechtfertigung gesellschaftlihcen Handelns
Wissenschaft sollte auf der Gurndlage empirischer Daten
- unbestreitbare
- handlungsleitende Erkenntnisse bereitstellen.
Wissenschaft sollte aber nicht nur objektive Daten liefern, also herausfinden, was ist, sondern auch was sein soll.
Streit um Werte ist aber schon abgeklungen.
Gro�e Hoffnung der Wissenschaftsgl�ubigkeit ist zumindest im Bereich der SOWI� aber auch bei der NAWI� zunehmend einer Ern�chterung gewichend.
Wissenschaft wird weitgehend nicht mehr als die Institution gesehen, die letzte, endg�ltige Wahrheiten bereitstellt.
Kritischer Rationalismus beklagt den Zustand aber nicht, sondern er steht im Einklang mit ihrer Grundauffassung
Wissenschaftliches Wissen nur vorl�ufigen Charakter, muss sich immer wieder aufs neue bew�hren.
Empirische Wiss. soll nicht Glaubenssicherheit vermitteln, sondern die Welt nur beschreiben und erkl�ren, aber die Augen f�r den kritischen Blick auf die Realit�t �ffnen.
1.1.2 Zum Verh�ltnis von Wissenschaft und Praxis
Beschr�nkung der empirischen Wiss. auf beschreibende Aussagen und Verzicht auf den Versuch, wertende Handlungsweisungen wiss. zu begr�nden, muss aber nicht schlecht sein.
In komplexen Industriegesellschaften besteht ein zunehmender Bedarf an wiss. begr�ndeten Aussagen dar�ber, was ist, wie die Dinge zusammenh�ngen, welche Folgen was haben kann.
Zunehmend wird das technologisch Machbare nicht mehr gleich realisiert, sondern es wird zunehmend gefordert, das Machbare zun�chst an psychischen, sozialen und gesellschaftlichen Erfordernissen und Konsequenzen zu messen.
Sozialwissenschaften hat Schwierigkeiten mit der sozialen Praxis zusammenzukommen. Es wird immer wieder neu diskutiert, wie praxisrelevante, d.h. anwendungsorientierte Sozialforschung auszusehen habe.
Vorwurf von Praktikern
- Sozialwissenschaften produziere entweder Banalit�ten, die jeder Praktiker ohnehin schon lange wei�, oder
- Ergebnisse seien v�llig praxisfern.
Die Wiss. betritt ha kein Neuland und tritt in Konkurrenz zu vorhandenem Alltagswissen (bereits vorhandener Alltagserfahrung).
Das kumulierte Alltagswissen zeichnet sich gerade durch einen hohen Grad an praktischer Bew�hrung im Alltag aus. Das Wissen muss zwar nicht unbedingt richtig sein, aber es , funktioniert�, dh es hat sich in der Bew�ltigung von Alltagsaufgaben als hilfreich erwiesen.
Ergebnisse der Sozialwissenschaft zeigen, dass
- bisher bew�hrte Alltagswissen = richtig
o Forschungsbefunde werden nur dann begr��t, wenn die bereits getroffenen Entscheidungen auf diese Weise zus�tzlich legitimiert und wiss. abgesichert werden k�nnen. Ansonsten = trivial. Selbstverst�ndlich.
- bisher bew�hrte Alltagswissen = falsch
o Forschungsbefunden werden nur dann akzeptiert, wenn bisher bew�hrtes Alltagswissen unter ge�nderten Rahmenbedingungen nicht mehr �funktioniert�. Ansonsten herrscht gro�e Skepsis, wenn nicht sogar Ablehnung.
- bisher kein Alltagswissen o unwichtig angesehen = als unn�tze Forschung abgetan.
o wichtig angesehen = werden aufgegriffen, wenn sie nicht mit wesentlichen Wertvorstellungen des Adressaten in Widerspruch stehen.
o unwichtig angesehen = unn�tze Forschung (Wissenschaft im Elfenbeinturm)
F�r sozialwiss. Forschung �hnliche Konjunkturen wie politische Auseinandersetzungen.
Vor allem Forschung �ber Sachverhalte im politischen Raum = �problematisch�, dh. l�sungsbed�rftig angesehen, unmittelbare Chance, ob
- Bewilligung von Forschungsgeldern
- Ergebnisse zur Kenntnis genommen?
Eher Sachverhalte erforschen, wo
- Chance, Forschungsmittel bekommen,
- Ergebnisse Akzeptanz treffen
Deswegen anders wie Naturwiss. Da gibt�s kein Alltagswissen = jeder eigene Anschauungen (z.B. Kindererziehung).
Das Vorliegen solcher Alltagswissen ist h�ufig sogar die Voraussetzung daf�r, dass ein Problem als sozialwiss. relevant beurteilt wird.
NaWi entziehen sich der allt�glichen Lebenserfahrung.
Zwar in letzter Zeit Kritik auch im technologischen Bereich, aber mehr wegen den Konsequenzen der praktischen Anwendung.
Bei SoWi gegen die Aussagen selbst. Aber auch die NaWi hatte fr�her das Problem, weil �Erde Kugel� und so.
Zum Verh�ltnis von Grundlagenforschung und anwendungsorientierter Forschung
(theoretisches) Grundlagenwissen vs. Praxiswissen bzw. Grundlagenforschung vs. Anwendungsorientierte Forschung.



